Sektorenübergreifendes Qualitätsmanagement - Pflicht oder Gewinn für alle Beteiligten?
Mit der Verpflichtung jeder Arztpraxis zur Durchführung eines Qualitätsmanagements im Sozialgesetzbuch stellt sich die Frage nach Sinn und Nutzen einer solchen Gesetzesvorgabe.

Die Diabetologen in Rheinland-Pfalz sind auf die gesetzlichen Vorgaben zur Qualitätssicherung in der Medizin gut vorbereitet.
 
Qualitätssicherung mittels FQSD – analog der WHO-Vorgabe – erfolgt bereits seit vielen Jahren in den Diabetes-Schwerpunktpraxen und klinischen Diabetesabteilun-gen in Rheinland-Pfalz.

Auch wenn es manchem nicht bewusst ist, Grundlage zur Durchführung einer Qualitätssicherung ist ein Qualitätsmanagement.

Die zwischen der AOK, den Diabetes-Schwerpunktpraxen und klinischen Diabetes-abteilungen seit 1997 geschlossenen Schulungsvereinbarungen schreiben ver-pflichtend eine Dokumentation der Patienten mit Diabetes mittels FQSD vor. Diese vertraglich vereinbarten Datenerhebungen leiten eine für viele Beteiligte spürbare Verbesserung der Prozessqualität in den diabetologischen Einrichtungen in Rheinland- Pfalz ein.
 
Gleichzeitig zu der gesetzlichen Verpflichtung zum Qualitätsmanagement führt die Deutsche Diabetesgesellschaft eine Anerkennung als Behandlungseinrichtung mit zertifiziertem, diabetesspezifisches Qualitätsmanagement ein, für diabetologisch ausgerichtete Praxen und Klinikabteilungen geradezu maßgeschneidert und in der angebotenen Form sinnvoll.

Der frühe Start mit einem speziellen Qualitätsmanagement für Diabetes ermöglicht es unserer Gemeinschaftspraxis in Landau/Pfalz, den Freiraum des zertifizierten Diabetes-Qualitäts-Modells zu nutzen.

Zeitgleich strebt das Klinikum Südliche Weinstrasse in Landau eine enge diabetologische Kooperation mit unserer Schwerpunktpraxis und Prof. Dr. med. G. Rümenapf,  dem Gefäßchirurgischen Chefarzt des Diakonissenkrankenhauses Speyer, an.

Ein einheitliches, diabetesspezifisches Qualitätsmanagement wird zwischen der Praxis und dem Klinikum SÜW vertraglich vereinbart, als gemeinsames Ziel eine Zertifizierung nach DQM gewählt.


Unser Weg zum Qualitätsmanagement


Nach vertraglich vereinbarter Kooperation mit dem Klinikum Südliche Weinstraße zum 1. Januar 2004 beginnt die aktive Arbeit für ein Qualitätsmanagement in der Praxis mit einer Auftaktveranstaltung, moderiert von Beratern der DQM–Gruppe.
 
Wegbereiter für einheitliche Ziele sind zunächst die beiden Inhaberinnen der Diabetes-Schwerpunktpraxis sowie eine Diätassistentin, die während des Zertifizierungsprozesses jeweils halbtags in der Klinik und halbtags in der Praxis beschäftigt ist. Zusätzlich erfolgen regelmäßig gegenseitige Hospitationen der Mitarbeiter im ambulanten und stationären Bereich.

Regelmäßige Teamsitzungen der Praxismitarbeiter bzw. der des  Klinikums, werden festgelegt, der notwendige Zeitrahmen wird durch geänderte Praxissprechzeiten ermöglicht.

Die Leitlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft sind Grundlage der Diabetesbehandlung in unserer Praxis und im Klinikum SÜW.
 
Die Zertifizierung nach DDG basiert auf den Pflichtitems der Gesellschaft zur Struk-tur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Die Daten zur Ergebnisqualität können zum Beispiel mittels DPV (Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation) oder FQSD erfasst werden. In unserer Praxis werden während der Vorlaufzeit zur Zertifizierung beide Wege kombiniert eingesetzt.

Beim Erarbeiten der Prozessqualität wird das DQM-Handbuch zu unserem „ständigen Begleiter“. Entsprechend dem darin erläuterten „Diabetes-Qualitäts-Modell“ werden die Forderungen der DDG an eine Behandlungseinrichtung der Stufe 2 umgesetzt.

Das Diabetes-Qualitäts-Modell bildet die Pflichtitems der DDG zur Prozessqualität in der Diabetesbehandlung ab. Als Unterpunkte sind nachvollziehbare Spielregeln für Aufnahme, Erstkontakt, Diagnostik, Behandlungsplan, Therapie, Entlassung, Rücküberweisung, Weiterbetreuung zu erarbeiten und zu dokumentieren.

Handlungsabläufe in der Praxis werden in einem „Qualitätsordner“ schriftlich fixiert und Formulare zur Verbesserung der anfallenden Routinearbeiten erstellt. Die computergestützte Optimierung der Patientenakten und der Brieferstellung führt zu einer deutlich verbesserten Prozessqualität. Eine klar geregelte Dokumentation führt zu einer besseren gegenseitigen Information aller Beteiligten. Die Zahl der Arztbriefe steigt erheblich, die Erstellung erfolgt sehr viel zeitnaher.

Nach den Anleitungen des DQM werden über die Pflichtitems hinaus eigene Standards in den vorgeschlagenen Bereichen
  • Mitarbeiterqualifikation / Fort - und Weiterbildung / Wissensmanagement,
  • betriebliche Infrastruktur,
  • Management der diabetologischen Einrichtung,
  • Strategie und Politik,
  • Kooperationen, Partner und Lieferanten

erarbeitet. Eine regelmäßige praxisinterne Fortbildung wird eingeführt, die Planung externer Fortbildungen für alle Mitarbeiter eingeleitet. Es werden alle nicht diabetes-spezifischen Fortbildungen wie Kurse für QEP, Impfungen, Labor, etc. mit einbezogen, allgemeine Praxisabläufe wie Qualitätssicherung im Labor, Medikamenten-, Geräteüberprüfung und Eichung schriftlich fixiert und Verantwortlichkeiten festgelegt. Gerade diese über die Pflichtitems hinausgehenden Kategorien nach DQM gewährleisten ein übergreifendes, nicht nur den Diabetes betreffendes Praxisqualitätsmanagement.

Für ein einheitliches Vorgehen nach DQM führt der gemeinsame Weg mit der kooperierenden stationären Einrichtung Klinikum SÜW zum intensiven Abgleich in den Punkten Kooperationen, Partner und Lieferanten.
 
Gemeinsame Teamsitzungen und fest terminierte, wöchentliche Visiten der kooperierenden Diabetologinnen und des Gefäßspezialisten im Klinikum führen zu einer modellhaften, von den Patienten immer wieder gelobten, sektorenübergreifenden Versorgung.

Zertifizierung

Nach einem Audit durch Visitoren der DQM–Gruppe, deren positivem Votum und nach Prüfung der eingereichten Daten bei der DDG, erfolgt die Anerkennung der Praxis als Behandlungszentrum der Stufe 2 für Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 der Deutschen Diabetesgesellschaft DDG, sowie die Anerkennung als Fußbehandlungseinrichtung DDG und der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der ADE Rheinland-Pfalz. Die Zertifizierung des kooperierenden Partners Klinikum Südliche Weinstraße folgt, bedingt durch die Zusammenlegung mehrerer Standorte (Landau + Annweiler + Bad Bergzabern) etwas später. Das gesamte Klinikum SÜW ist mittlerweile zusätzlich nach KTQ zertifiziert.  


Fazit

Während der Aufbauzeit des Qualitätsmanagements werden viele Abläufe innerhalb der Praxis und in der Zusammenarbeit mit dem Klinikum strukturiert und positiv verändert. Die Kompetenz der einzelnen Mitarbeiter ist gestiegen, insbesondere auch ihre Motivation zur Teamarbeit und die Identifikation mit dem Team selbst.

Die gesamte Praxis hat von der Einführung des Qualitätsmanagements profitiert, nicht nur durch die daraus resultierenden, deutlich optimierten Abläufe. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Eindruck auch bei einer Patientenbefragung im nächsten Jahr bestätigt .
 
Der Weg zum diabetesspezifischen Qualitätsmanagement war nicht einfach, es fehlten Vorreiter, an denen man sich orientieren konnte, Spielregeln für die Zertifizie-rung mussten erst erarbeitet werden.

Anfängliche Unsicherheiten und Unstimmigkeiten innerhalb des Teams  sind durch gemeinsame Aufgabenstellungen, Aufeinander-Zugehen, gegenseitige Motivation und letztendlich Begeisterung für ein gemeinsam zu erreichendes Ziel ausgeräumt worden.

Der Aufwand zum Erreichen eines zertifizierten Qualitätsmanagements hat sich ge-lohnt, insbesondere auch hinsichtlich eines effizienten und erfolgreichen Versorgungsmodells zwischen einer ambulanten und verschiedenen stationären Einrichtungen zum Wohle der betroffenen Patienten mit Diabetes, insbesondere für die mit diabetesbedingten Komplikationen.

Eine zusätzliche Belohnung für die Mühen auf dem Weg zur Zertifizierung stellte schließlich die Verleihung des „Nationalen Preises für Qualitätsmanagent in der Diabetologie“ anläßlich des Kirchheim - Forums im Herbst 2005 dar.

 
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